Fallbeispiel: Von der Arbeit zur Zusammenarbeit
Ausgangssituation
Mehrere Unternehmen der Energiebranche wurden zu einer neuen Organisation zusammengeführt. Auf dem Papier entstand ein gemeinsames Unternehmen. Im Arbeitsalltag prägten jedoch weiterhin unterschiedliche Unternehmenskulturen, Denkweisen und Loyalitäten die Zusammenarbeit.
Innerhalb der eigenen Teams funktionierte das Miteinander gut. Zwischen den Abteilungen dominierten dagegen Konkurrenzdenken, Misstrauen und fehlende Abstimmung. Mitarbeitende beschrieben sich selbst als Teamplayer im eigenen Bereich, außerhalb ihres Teams jedoch häufig als Einzelkämpfer. Gleichzeitig brachten klassische Mitarbeiterbefragungen keine neuen Erkenntnisse mehr hervor. Die Beteiligung sank, weil viele Mitarbeitende nicht mehr daran glaubten, dass sich dadurch tatsächlich etwas verändert.
Die entscheidende Frage lautete:
Wie entsteht aus mehreren Unternehmenskulturen ein gemeinsames Unternehmen?
Der Auftrag
CoreFinding sollte nicht die Zusammenarbeit bewerten oder ein weiteres Veränderungsprogramm entwickeln.
Der Auftrag bestand darin, sichtbar zu machen, wie Mitarbeitende und Führungskräfte ihre Zusammenarbeit tatsächlich erleben, welches gemeinsame Zukunftsbild sie entwickeln und welche Faktoren verhindern, dass aus mehreren Herkunftsunternehmen eine gemeinsame Organisation entsteht.
Was sichtbar wurde
Bereits im Zielrichtungsworkshop zeigte sich etwas Überraschendes. Die Beteiligten entwickelten selbst ein klares Bild davon, wie sie künftig zusammenarbeiten wollten. Sie beschrieben eine Organisation mit offenen Gesprächen, gegenseitigem Vertrauen, klaren Verantwortlichkeiten, gemeinsamen Zielen und einer Kultur, in der Probleme gemeinsam gelöst werden. Entscheidend war dabei: Dieses Zukunftsbild entstand nicht durch Vorgaben des Managements oder externer Berater, sondern aus den Vorstellungen der Mitarbeitenden und Führungskräfte selbst.
Erst der Vergleich dieses gemeinsamen Zukunftsbildes mit der erlebten Realität machte die eigentlichen Ursachen sichtbar. Nicht Prozesse oder Organigramme verhinderten die Zusammenarbeit. Die größten Hindernisse waren alte Zugehörigkeiten, unterschiedliche Denkweisen, fehlende gemeinsame Orientierung und das Fortbestehen von Bereichsgrenzen. Viele Mitarbeitende arbeiteten noch immer für ihre Abteilung – aber noch nicht für das gemeinsame Unternehmen.
Die Wirkung
Zum ersten Mal entstand eine gemeinsame Grundlage, auf der sich alle Beteiligten wiederfinden konnten. Veränderungen mussten nicht mehr von außen erklärt oder begründet werden. Sie bauten auf einem Zukunftsbild auf, das die Organisation selbst entwickelt hatte.
Dadurch konnten Maßnahmen gezielt dort ansetzen, wo Zusammenarbeit tatsächlich entsteht: beim gemeinsamen Verständnis, gemeinsamen Zielen und einer gemeinsamen Identität. Aus mehreren Unternehmenskulturen entwickelte sich Schritt für Schritt ein gemeinsames Selbstverständnis.
Nachhaltige Wirkung
Zusammenarbeit entsteht nicht dadurch, dass Menschen denselben Arbeitgeber haben.
Sie entsteht, wenn Menschen beginnen, sich als Teil derselben gemeinsamen Zukunft zu verstehen.
CoreFinding machte genau diese gemeinsame Zukunft sichtbar. Dadurch wurde Veränderung nicht von außen eingeführt, sondern aus der Organisation selbst heraus getragen – und genau darin lag die Voraussetzung für eine dauerhaft funktionierende Zusammenarbeit.
